Eigentümerinnen und Eigentümer als Manager ihres historischen Gebäudes
Drei Tage lang – vom 18. bis 20. März 2026 – stand das Gut St. Christoph in Prigglitz ganz im Zeichen der Baukultur: Im Rahmen des Erasmus+-Projekts „Heritage Train II“ fand hier ein Pilottraining statt, das sich gezielt an Eigentümer:innen historischer Gebäude richtete. In Kooperation mit dem Projekt „Handwerk & Baukultur – Handwerkerhöfe in der Weltkulturerbe-Region Semmering“ kamen rund zehn Teilnehmende sowie Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen, um sich intensiv mit Fragen rund um Erhalt, Pflege und Weiterentwicklung historischer Bauten auseinanderzusetzen.
Organisiert von der ARGE Handwerk & Baukultur gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt (Kartause Mauerbach) und dem Verein zur Förderung der Baudenkmalpflege (VFB), verfolgte das Format einen praxisorientierten Ansatz: Eigentümerinnen und Eigentümer sollten in ihrer Rolle gestärkt werden – nicht nur als Bewahrende, sondern als aktiv handelnde Gestalterinnen und Gestalter ihrer Gebäude.
Fachwissen mit Praxisbezug
Im Mittelpunkt stand die Verbindung von Theorie und Anwendung. Von den Grundlagen der Denkmalpflege bis hin zu konkreten Fragestellungen im Umgang mit historischer Substanz wurde ein breites Themenspektrum behandelt. Florian Kolar (Bundesdenkmalamt, Kartause Mauerbach) vermittelte zentrale Prinzipien und Herangehensweisen der Restaurierung.
Besonders anschaulich wurde es direkt vor Ort: Am Gut St. Christoph diente die bestehende Bausubstanz als Lernfeld. Bauteile, Materialien und typische Schadensbilder wurden im Rahmen eines Rundgangs analysiert und diskutiert. Karl Stingl (VFB) zeigte praxisnah, worauf es bei Wartung und Reparatur von Mauerwerk, Putz und Anstriche ankommt. Ergänzt wurde dies durch Einblicke in die Fenstersanierung durch Leo Steiner und Stefan Kainz.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf bauphysikalischen Zusammenhängen: Fritz Idam erläuterte die Eigenschaften traditioneller Konstruktionen und zeigte Möglichkeiten auf, energetische Verbesserungen mit dem Erhalt historischer Substanz in Einklang zu bringen. Fragen zu Energie, Dämmung und präventiver Instandhaltung wurden dabei stets im größeren Kontext betrachtet.
Darüber hinaus rückten auch strategische und kulturelle Aspekte in den Fokus: Christian Haas und Reinhold Sahl (Burghauptmannschaft Österreich) beleuchteten den langfristigen Wert historischer Gebäude, Fragen der Nutzung sowie den Umgang mit Lebenszyklen und Wartung.
Rechtliche Rahmenbedingungen bildeten eine weitere wichtige Grundlage: Fabian Sever (Landeskonservatorat Niederösterreich) gab Einblick in Denkmalschutz, Fördermöglichkeiten und behördliche Abläufe. In offenen Diskussionsformaten und Workshops konnten die Teilnehmenden eigene Projekte einbringen und geplante Maßnahmen gemeinsam reflektieren. Praxisbeispiele wie das „Buchaus“ in Geisthal sowie internationale Beiträge von Pavol Izvolt zur präventiven Denkmalpflege erweiterten den Blick über den lokalen Kontext hinaus.
Grenzüberschreitender Austausch für Baukultur
Neben der Wissensvermittlung spielte der persönliche Austausch eine zentrale Rolle. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, ihre eigenen Projekte vorzustellen und direktes Feedback von Expertinnen und Experten zu erhalten.
Eine besondere Qualität erhielt das Training durch die internationale Beteiligung: Vertreterinnen und Vertreter der Academia Istropolitana Nova aus der Slowakei nahmen am Training ebenfalls teil und brachten zusätzliche Perspektiven ein. Die offene Arbeitsatmosphäre und der intensive Dialog machten deutlich, wie wertvoll der Austausch über Fach- und Ländergrenzen hinweg ist.
Ein Impuls für den bewussten Umgang mit Baukultur
Das Pilottraining hat gezeigt, wie entscheidend die Rolle von Eigentümerinnen und Eigentümer für den Erhalt historischer Bausubstanz ist. Gerade in einer sensiblen Kulturlandschaft wie der Weltkulturerbe-Region Semmering braucht es fundiertes Wissen, ein Verständnis für Zusammenhänge und die Fähigkeit, fundierte Entscheidungen zu treffen. Formate wie dieses leisten einen wichtigen Beitrag dazu, Baukultur nicht nur zu bewahren, sondern aktiv weiterzudenken.
Kooperationspartner:
↳ Bundesdenkmalamt | Kartause Mauerbach
↳ Verein zur Förderung der Baudenkmalpflege in Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt
↳ Slovenská Komora Architektov
↳ Weltkulturerbe-Region Semmering-Rax
↳ Universität für Weiterbildung Krems
↳ Ländliche Innovationspartnerschaften 77-03