Pilottraining „Hands On – Praxis der Fassadeninstandsetzung“

Im Rahmen des Erasmus+-Projekts Heritage Train II fand vom 20. bis 24. April 2026 im Posthof in Schottwien ein fünftägiges Pilottraining zur praxisorientierten Fassadeninstandsetzung statt.

Organisiert von der ARGE Handwerk & Baukultur gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt (IWZ Baudenkmalpflege – Kartause Mauerbach) und dem Verein zur Förderung der Baudenkmalpflege (VFB) stand die praktische Arbeit an historischer Bausubstanz im Mittelpunkt. Ziel war die Vermittlung von Wissen zur Instandsetzung traditioneller Fassaden und zum Umgang mit historischen Materialien direkt am Objekt.

© ARGE Handwerk & Baukultur

Lernen am Objekt

Der Posthof diente als reales Arbeitsumfeld. Anhand einer Musterfläche wurden Schadensbilder analysiert und Maßnahmen zur Instandsetzung entwickelt.

Im Fokus stand das Zusammenspiel von Befundung, Schadensanalyse und der Entwicklung eines geeigneten Restaurierungsziels im direkten Bezug zur bestehenden Substanz.

© ARGE Handwerk & Baukultur

Inhalte des Trainings

Das Programm verband Grundlagen mit intensiver Praxis:

  • Analyse und Vorbereitung: Untersuchung historischer Fassaden, Schadensbilder und Instandsetzungskonzepte
  • Material und Technik: Arbeiten mit Kalk, Mörtel sowie historischen Farb- und Anstrichsystemen
  • Praxis: Umsetzung der Maßnahmen an einer Musterfläche – von der Untergrundvorbereitung bis zu Putz- und Anstrichtechniken

Praxis und Austausch

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer führten alle Arbeitsschritte selbst aus und wurden fachlich begleitet. So konnten Techniken direkt erprobt und ein vertieftes Verständnis für historische Bausubstanz entwickelt werden.

Gleichzeitig bot das Training Raum für Austausch zwischen Handwerkerinnen und Handwerkern, Restauratorinnen und Restauratoren sowie Planerinnen und Planern und Architektinnen und Architekten.

© ARGE Handwerk & Baukultur

Bedeutung für die Baukultur

Das Training unterstreicht die zentrale Rolle handwerklicher Kompetenz für die Erhaltung historischer Fassaden. Materialwissen, sorgfältige Analyse und fachgerechte Ausführung sind entscheidend, um die Substanz langfristig zu sichern und Baukultur zu bewahren.

Eindrücke & Feedback

Eine Kursteilnehmerin blickt auf drei Pilottrainings zurück:

In den letzten Wochen haben wir drei Kurse bei „Handwerk & Baukultur“ zum Thema „Renovieren alter Häuser“ absolviert, organisiert und geleitet von DI Johanna Digruber ( Initiatorin Handwerk & Baukultur) und Dr. Karl Stingl (IWZB Kartause Mauerbach des BDA, Heritage Train II), in der Region Semmering.

Es begann mit einem Theoriekurs für Eigentümer, wie auch wir es sind, der auf dem Gut Sankt Christoph – einem beeindruckenden alten Schloss – stattfand. Uns haben dabei förmlich die Ohren gewackelt – wir waren kurz davor, alles falsch zu machen. Zum ersten Mal hörten wir Begriffe wie „im System bleiben“, „Kalkputz“ und „kapillaroffen“. Schon beim ersten Hören ging uns nicht nur ein Licht auf – es war eine echte Erleuchtung.

Sofort buchten wir den zweiten Kurs: dasselbe nochmals, diesmal für Handwerker. Die sind wir zwar nicht, aber wir wollten lernen. Und das Ergebnis? Hunger nach mehr! Die Wiederholung war, wie wir feststellten, ebenso dringend nötig. Und das praktische Ausprobieren, auch wenn es im zweiten Kurs nur versuchsweise war, tat gut. Wir wussten: mehr!

Schließlich gab es zwei Wochen später den Kurs zum Mitmachen: „HANDS ON“ (vom Bundesdenkmalamt). Und wie wir hands on wurden! Wir haben nun keine „Angst“ mehr vor dem Löschen von Kalk – im Gegenteil, das war einer der spannendsten Teile. Wir können jetzt Kalkmörtel herstellen, haben gelernt zu böschern, zu verputzen, Romanzement wurde hergestellt und mit Kalkfarbe gemalt.

Karl hielt unseren sich wiederholenden Fragen tapfer stand und erklärte, erklärte und erklärte. Unser Verputzergebnis kann zwar noch bei weitem nicht mit dem der Profis mithalten, doch wir wissen nun, wie es geht. Und genau das ist das Wertvollste.

Uns ist bewusst: Alleine werden wir unser Haus nicht renovieren können. Aber wir wissen, worauf wir achten müssen, können mitarbeiten – und vor allem können wir Pfuscher von solchen unterscheiden, die wirklich wissen, was sie tun.

Fazit: Ein absolutes Muss für Eigentümer alter Häuser. Richtig reparieren statt unwissentlich zerstören!

Kooperationspartner:

 

↳ Bundesdenkmalamt | Kartause Mauerbach

↳ Verein zur Förderung der Baudenkmalpflege in Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt

↳ Slovenská Komora Architektov

↳ Academia Istropolitana Nova

↳ HARDDECOR ARCHITEKTUR

↳ Weltkulturerbe-Region Semmering-Rax

↳ Universität für Weiterbildung Krems

↳ Ländliche Innovationspartnerschaften 77-03

↳ Kunst und Kultur NÖ

 

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