Im erweiterten Ortszentrum von Turnau in der Steiermark liegt eine besondere historische Hofanlage: die Wasserstattmühle. Das teilweise unter Denkmalschutz stehende, bäuerlich-gewerbliche Ensemble mit Mühle, Herrenhaus, Getreidekasten sowie weiteren Wirtschafts- und Stallgebäuden erzählt von einer Zeit, in der Landwirtschaft, Handwerk und Verarbeitung eng miteinander verbunden waren. Heute stellt sich die Frage, wie dieses besondere Kulturerbe langfristig erhalten und zugleich mit neuem Leben gefüllt werden kann.
Erste Ideen für die Zukunft des Ensembles Wasserstattmühle entstanden im Rahmen des Forschungsprojekts „Radikale Symbiosen“ der TU Wien. Studierende beschäftigten sich mit dem historischen Bestand und entwickelten Visionen für eine mögliche Weiterentwicklung des Ortes – von einer Forschungs- und Bildungsstätte bis hin zu neuen Formen des Wohnens und Arbeitens. Die Ergebnisse wurden 2025 in Turnau vorgestellt und gemeinsam mit Interessierten und regionalen Akteurinnen und Akteuren diskutiert.
Künftig soll das Ensemble als Kompetenzzentrum für Kulturerbe und Handwerk entwickelt werden. Im Mittelpunkt steht die Verbindung von historischem Wissen, lebendigem Handwerk, Forschung, Bildung und einer zukunftsorientierten Nutzung des Bestands.
Zwei Bereiche werden dabei eng miteinander verbunden: Das Mühlenzentrum bewahrt, erforscht und vermittelt das Wissen der Handwerksmüllerei als immaterielles Kulturerbe und greift zugleich Fragen rund um regionale Lebensmittelproduktion und nachhaltige Kreisläufe auf. Gleichzeitig wird die Wasserstattmühle ein physischer Ort für „Handwerk & Baukultur“.
Aufbauend auf dem in der Weltkulturerberegion Semmering-Rax entwickelten Modell von „Handwerk & Baukultur – Handwerkerhöfe in der Weltkulturerbe-Region Semmering-Rax“ entsteht hier eine Bauhütte, die traditionelles Bauhandwerk, Baukultur, Bildung und regionale Vernetzung zusammenführt. Workshops, Kurse, Schaubaustellen, Bauberatung und die Zusammenarbeit mit regionalen Handwerksbetrieben werden ebenso Teil dieses Ortes sein wie die praktische Erprobung einfacher, langlebiger und reparaturfähiger Bauweisen.
Mühlenzentrum und Bauhütte verbinden sich zu einem Kompetenzzentrum. Die Wasserstattmühle selbst wird zum Lern- und Experimentierort, an dem Kulturerbe nicht nur bewahrt, sondern praktisch genutzt, weitergegeben und weiterentwickelt wird.