Wie kann sich die Ortsmitte von Payerbach weiterentwickeln? Welche Orte sind den Menschen wichtig, was fehlt im Alltag und welche Qualitäten soll der Ortskern künftig haben?
Diesen Fragen widmet sich der Beteiligungsprozess im Rahmen von NEB:werk Payerbach. Nach ersten kleineren Beteiligungsformaten wurde der Prozess im Mai und Juni mit zwei Begehungen fortgesetzt. Im Juli wurden die dabei gesammelten Beobachtungen, Erinnerungen und Ideen in einer Planungswerkstatt gemeinsam weitergedacht.
Dabei zeigte sich: Die Zukunft des Ortszentrums lässt sich nicht auf den heutigen Ortsplatz allein reduzieren. Vielmehr geht es um ein zusammenhängendes Ensemble aus Ortsplatz, Gemeindeamt und weiteren Bestandsgebäuden, den Freiräumen rund um Pavillon und Schwimmbad sowie den Gewässern, Wegen und historischen Strukturen.
Den Ort gemeinsam neu entdecken
Am 22. Mai standen Baukultur, Ortsgeschichte und persönliche Lieblingsorte im Mittelpunkt. Bei einem gemeinsamen Rundgang wurden der Ortskern, Pavillon und Park, das Umfeld des Schwimmbads, die historischen Villen entlang der Dr.-Coumont-Straße sowie Kirche und Ortsplatz erkundet.
Dabei wurden Erinnerungen an frühere Treffpunkte und Nutzungen geteilt: Der Ortsplatz war stärker belebt, beim Pavillon trafen sich Jugendliche, entlang der Schwarza wurde gebadet und gerudert, im Winter wurde Eisstock geschossen. Auch ehemalige Geschäfte und Wirtshäuser erzählen von einem Ortszentrum, das früher stärker vom alltäglichen Leben geprägt war.
Bei der zweiten Begehung am 7. Juni lag der Fokus auf Alltag, Generationen und Mobilität. Dabei wurde sichtbar, welche Qualitäten im Ortszentrum heute gesucht werden: Grün, Schatten, Wasser, Ruhe und die Möglichkeit, sich aufzuhalten, ohne etwas konsumieren zu müssen.
Auch fehlende Treffpunkte und die Bedürfnisse unterschiedlicher Generationen wurden diskutiert. Gewünscht wurden niederschwellige Orte für Begegnung, Gastronomie und Gemeinschaft sowie mehr Angebote für Kinder und Jugendliche. Gleichzeitig wurde die Bedeutung von Barrierefreiheit hervorgehoben: Gut nutzbare Wege, weniger Barrieren und mehr Sitzmöglichkeiten sollen die Ortsmitte für unterschiedliche Nutzer zugänglich machen.
Vom Ortsplatz zum zusammenhängenden Ortszentrum
Ein zentrales Ergebnis der Begehungen war die Frage, wie die verschiedenen Orte des Zentrums stärker miteinander verbunden werden können. Gemeindeamt, Schwimmbad, Pavillon und Landschaftspark, historische Gebäude, Freizeitangebote, Kirche und Gewässer liegen nahe beieinander, werden heute aber kaum als zusammenhängender Ortskern wahrgenommen.
Besonderes Potenzial wurde im Bereich rund um Gemeindeamt, ehemaliges Musikhaus und weitere Bestandsgebäude gesehen. Hier wurden neben einer besseren Gestaltung des Freiraums auch mögliche neue Nutzungen wie Bibliothek, Café, Gemeinschafts- und Veranstaltungsräume oder Kinderangebote diskutiert.
Die Planungswerkstatt Freiraum
Am 17. Juli wurden in einer Planungswerkstatt für den Freiraum die bisherigen Erkenntnisse für dessen Gestaltungsmöglichkeiten weiter vertieft. Dabei entstand die Idee, den Freiraum rund um Gemeindeamt und Musikhaus weniger als klassischen Platz und stärker als gemeinschaftlichen Garten zu denken. Grün, Bäume, Sitz- und Spielmöglichkeiten, klimaresiliente Pflanzungen und barrierearme Wege sollen einen Ort schaffen, der unterschiedliche Nutzungen und Generationen zusammenbringt.
Auch die stärkere Einbindung des angrenzenden Bachs wurde als Potenzial gesehen. Als mögliche Bezeichnung für den neuen Freiraum entstand die Idee eines „Gartens des Friedens“ – als grüner Ort für Begegnung, Ruhe und gemeinsames Leben.
Gemeinsam weiterbauen
Mit den Begehungen und der Planungswerkstatt Freiraum wurde ein weiterer Schritt im Beteiligungsprozess des Projekts „NEB:werk Payerbach“ gesetzt. Aus persönlichen Erinnerungen, Beobachtungen und Wünschen entstanden zunehmend konkrete Vorstellungen für die zukünftige Ortsmitte.
Der Prozess geht nun in die nächste Phase: Beim Workshop am 20. Juli werden die bisherigen Erkenntnisse weiter vertieft und gemeinsam an möglichen Perspektiven für den Ortskern gearbeitet. Am 4. und 5. September folgt eine zweitägige Dorfwerkstatt am Ortsplatz. Dabei sollen erste Ideen gemeinsam praktisch erprobt, Räume aktiviert und mögliche zukünftige Nutzungen sichtbar gemacht werden.
So wird aus dem gemeinsamen Erkunden und Planen Schritt für Schritt ein räumliches Bild für die zukünftige Ortsmitte von Payerbach.
Infos zum Projekt:
Im Dezember 2025 erhielt das Projekt „Gemeinsam Zukunft bauen: das Modellquartier NEB:werk Payerbach in der Weltkulturerbe-Region Semmering“ die Förderzusage im Rahmen der Ausschreibung „Technologien und Innovationen für die klimaneutrale Stadt 2025“ der europaweiten Initiative New European Bauhaus (NEB). Ziel ist es, den Ortskern von Payerbach als Modellquartier für eine nachhaltige, lebenswerte und klimafitte Entwicklung weiterzudenken und gemeinsam mit der Bevölkerung zukunftsfähige Lösungen zu erarbeiten.
Die Ausschreibung „Technologien und Innovationen für die klimaneutrale Stadt“ ist Teil des FTI-Schwerpunkts „Klimaneutrale Stadt“ des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) und des Klima- und Energiefonds (KLIEN). Die Abwicklung erfolgt im Auftrag des BMIMI und KLIEN durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gemeinsam mit der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH (AWS).