Traditionelles Handwerk & Baukultur als Ressource
Vortrag mit Architektin Johanna Digruber und Dr. Karl Stingl
Mit begleitender Fotoausstellung von Jakob Lindner
2. Juni 2026 | 19:00 Uhr
IG Architektur, Gumpendorfer Str. 63B, 1060 Wien
In Österreich machen denkmalgeschützte Gebäude nur rund 1 % des konditionierten Gebäudebestands aus. Strenge Auflagen verhindern dort übliche Maßnahmen wie Vollwärmeschutz, Fenstertausch, große Haustechnik oder strukturelle Eingriffe. Planer:innen sind daher angehalten, besonders einfache, materialarme und effiziente Lösungen zu entwickeln.
Paradoxerweise entstehen so sehr robuste und kostengünstige Low-Tech-Sanierungslösungen, die auch für den konventionellen Gebäudebestand interessant sind. Im Kontext klimaneutraler Städte sind diese Ansätze nicht nur ressourcenschonend, sondern oft auch wirtschaftlich tragfähig und zeitsparend. Die im Denkmalschutz entwickelten minimalinvasiven Sanierungsstrategien bergen damit ein bislang wenig genutztes Potenzial für den gesamten Gebäudebestand. Denkmalgeschützte Häuser werden so zu Reallaboren für „Einfach Bauen“ und „Einfach Sanieren“ unter realen Bedingungen.
Als Ziviltechniker:innen verfügen wir über das Wissen, Eigentümer:innen, Handwerker:innen und Gemeinden für diese Ansätze zu sensibilisieren. Weiterbildung spielt dabei eine zentrale Rolle.
Architektin Johanna Digruber von HARDDECOR ARCHITEKTUR arbeitet seit vielen Jahren im Bereich nachhaltiger Sanierung und Wohnraumaktivierung. Mit dem Pilotprojekt „Handwerk & Baukultur“ schafft sie gemeinsam mit Partner:innen neue Perspektiven für die Weltkulturerbe-Region Semmering. Teil des Projekts sind beispielhafte Pilottrainings, die sie gemeinsam mit dem Geologen Dr. Karl Stingl entwickelt. Stingl gilt als Experte für traditionelle Baumaterialien wie Stein, Ziegel, Kalkputz, Stuck und Farbpigmente sowie deren handwerkliche Verarbeitung und gibt unter anderem Weiterbildungskurse in der Kartause Mauerbach in Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt.
Fotoausstellung: Ein Beispiel aus der Praxis
Das historische Kurhaus Semmering („Grand Semmering“), 1909 erbaut und 2019 vom Hotelier Florian Weitzer erworben, ist ein eindrucksvolles Beispiel für den sensiblen Umgang mit historischer Bausubstanz. Der Fotograf Jakob Lindner wurde beauftragt, die Transformation dieses Baujuwels dokumentarisch zu begleiten. Entstanden ist eine eindrucksvolle Fotoserie, von der eine Auswahl bis zum Sommer in den Räumlichkeiten der IG Architektur zu sehen sein wird. Die Arbeiten zeigen atmosphärische Räume, verborgene Details und die stille Schönheit dieses außergewöhnlichen Ortes.
Links:
Projekt „Handwerk & Baukultur“:
handwerk-baukultur.at
Beispiel Pilottraining:
Praxis der Fassadeninstandsetzung am historischen Bestand
Gespräch mit Dr. Karl Stingl:
Handwerk & Baukultur im Gespräch
Fotoausstellung Jakob Lindner:
jakoblindner.com