Mit zwei Abschlussveranstaltungen in Prag und Mauerbach ging das internationale Erasmus+-Projekt Heritage Train II im September 2026 zu Ende. Im Rahmen von „Handwerk & Baukultur“ in der Weltkulturerbe-Region Semmering-Rax wurden Weiterbildungsmodule erprobt und der Austausch zwischen traditionellem Handwerk, Eigentümerinnen und Eigentümern historischer Gebäude sowie der Denkmalpflege gestärkt.
Das Projekt Heritage Train II (2023–2026) zielte darauf ab, die berufliche Aus- und Weiterbildung in der Baudenkmalpflege in Österreich, Tschechien und der Slowakei weiterzuentwickeln. Es baute auf dem Vorgängerprojekt Heritage Train (2019–2022) auf, in dem der Bildungsbedarf der Zielgruppen in den drei Ländern untersucht und die Grundlage für die Entwicklung internationaler Weiterbildungsmodule geschaffen wurde.
Zwei Weiterbildungsmodule für Handwerk und Eigentümer
Der Verein zur Förderung der Baudenkmalpflege entwickelte im Rahmen von Heritage Train II in Kooperation mit dem Fort- und Weiterbildungszentrum Kartause Mauerbach des Bundesdenkmalamtes zwei Weiterbildungsmodule.
Das praxis- und materialorientierte Modul für Handwerkerinnen und Handwerker vermittelte geeignete Arbeitsabläufe, die Festlegung von Restaurierungszielen und den fachgerechten Umgang mit traditionellen Materialien. In praktischen Workshops wurden unter anderem Kalk gelöscht, Mörtel gemischt, historische Holzfenster und -türen repariert sowie Kalk- und Leinölfarben hergestellt.
Das zweite Modul richtete sich an Eigentümerinnen, Eigentümer und Verwalter historischer Gebäude. Es behandelte die bauphysikalischen Eigenschaften traditioneller Gebäude, Energiekonzepte und regelmäßige Instandhaltung (Care and Repair) sowie Denkmalschutzrecht, Fördermöglichkeiten und Genehmigungsverfahren. Ziel war es, die Teilnehmenden dabei zu unterstützen, historische Gebäude fachgerecht zu erhalten und ihre kulturellen und historischen Werte zu bewahren.
Abschlusskonferenz in Prag: Erfahrungen aus drei Ländern
Am 22. September 2026 fand in den Palastgärten unterhalb der Prager Burg die Abschlusskonferenz statt. Die Projektpartner präsentierten die Ergebnisse aus Österreich, Tschechien und der Slowakei und berichteten über die gesammelten Erfahrungen aus den Bildungsmodulen.
Ein Schwerpunkt lag auf den Pilottrainings, die in Kooperation mit dem Projekt „Handwerk & Baukultur – Handwerkerhöfe in der Welterberegion Semmering“ durchgeführt wurden, und der Frage, wie traditionelles Handwerk langfristig erhalten werden kann. Dabei wurde die Schlüsselrolle der Eigentümerinnen und Eigentümer historischer Gebäude deutlich: Als Auftraggebende beeinflussen sie maßgeblich, welche Materialien und Techniken bei Sanierungen zum Einsatz kommen. Gleichzeitig müssen Handwerkerinnen und Handwerker die Eigenschaften historischer Bausubstanz verstehen und mit geeigneten traditionellen Materialien fachgerecht arbeiten können. Dieses Zusammenspiel ist wesentlich für die qualitätsvolle Erhaltung historischer Gebäude.
Der internationale Austausch machte die Erfahrungen aus der Welterberegion Semmering überregional sichtbar.
Abschlussveranstaltung in der Kartause Mauerbach
Am 24. September 2026 fand in der Kartause Mauerbach ein weiteres Abschluss- und Multiplikatorenevent statt. Im Mittelpunkt standen die Projektergebnisse, die Bedeutung beruflicher Weiterbildung und die Übertragung des erworbenen Wissens in die praktische Denkmalpflege. Karl Stingl gab dabei Einblick in den inhaltlichen Aufbau der Pilottrainings und Johanna Digruber sprach über die Vermittlung und Weiterbildung als Grundlage für den Bestandserhalt in der Welterberegion Semmering.
Die Veranstaltung bot Gelegenheit, Erfahrungen mit Fachleuten und institutionellen Partnern auszutauschen und Perspektiven für die Weiterentwicklung der Bildungsangebote zu diskutieren.
Wertvolle Verbindung für „Handwerk & Baukultur“
Die Kooperation mit Heritage Train II verband die regionale Arbeit zur Stärkung des traditionellen Handwerks mit einem internationalen Netzwerk aus Bildungs- und Denkmalpflegeinstitutionen. Die Pilottrainings am Semmering brachten regionale Erfahrungen in den länderübergreifenden Austausch ein und stärkten die Sichtbarkeit der Welterberegion Semmering, insbesondere der Weltkulturerbe-Region Semmering-Rax.
Die gewonnenen Erfahrungen und Kontakte bilden eine wertvolle Grundlage, um handwerkliches Wissen weiterzugeben, die fachgerechte Verwendung traditioneller Materialien zu fördern und den Erhalt des baukulturellen Erbes in der Region und darüber hinaus zu unterstützen.
Das Projekt wurde durch das Programm Erasmus+ der Europäischen Union gefördert.
Internationale Projektpartnerschaft
Heritage Train II wurde in einer tschechisch-slowakisch-österreichischen Partnerschaft umgesetzt. Zu den Projektpartnern gehörten:
- Nationales Denkmalinstitut (Národní památkový ústav), Prag, Tschechien
- Fakultät für Restaurierung der Universität Pardubice, Litomyšl, Tschechien
- Verein zur Förderung der Baudenkmalpflege, Mauerbach, Österreich
- Academia Istropolitana Nova, Svätý Jur, Slowakei
Als assoziierte Partner unterstützten folgende Institutionen und Organisationen das Projekt:
- Bundesdenkmalamt, Wien, Österreich
- Denkmalamt der Slowakischen Republik
- Institut für Denkmäler und Kultur (Institut pro památky a kulturu, o. p. s.), Tschechien
- Verband der Burgen- und Schlossbesitzer (Asociace majitelů hradů a zámků), Tschechien
- Arte-fakt – Verein für Denkmalpflege, Tschechien
- Slowakische Architektenkammer
- Slowakische Kammer der Bauingenieure
- ARGE Weltkulturerberegion Semmering-Rax, Österreich
- Burghauptmannschaft Österreich
- STUDIO AXIS, spol. s r. o., Tschechien
- Tschechische Technische Universität Prag, Fakultät für Bauingenieurwesen