Baukulturtag unter dem Motto
„Wir gehen auf die Walz“

Samstag, 27. September 2025, 13–20 Uhr

 

„Auf der Walz sein“ bedeutet für Handwerksgesell:innen eine mehrjährige Wanderschaft durchs Land oder die Welt nach dem Abschluss ihrer Lehre. Diese Tradition war seit dem Spätmittelalter bis zur beginnenden Industrialisierung eine Voraussetzung für die Zulassung zur Meisterprüfung.

Unter dem Slogan „Auf der Walz“ wurde auf die Bedeutung des traditionellen Handwerks hingewiesen und zugleich zu einer Tour durch verschiedene Standorte in der Region eingeladen. Dabei wurden nicht nur Projektergebnisse präsentiert – vielmehr standen Begegnung, Dialog und gemeinsames Lernen im Vordergrund.

Das vielfältige Programm für Jung und Alt führte entlang einer Route von Payerbach über Schottwien bis zum Südbahnhotel am Semmering.

 

Payerbach

Um 13 Uhr begrüßte der Kleinregionsobmann und Payerbacher Vizebürgermeister Joachim Köll die Besucher:innen. Bei Musik und regionalen Schmankerln konnten sie sich Informationen zu fachgerechter Sanierung und Finanzierung einholen.
Für Kinder wurde Baukultur spielerisch erfahrbar: Mit verschiedenen Materialien errichteten sie gemeinsam einen Kuppelbau.

 

Schottwien

Der Posthof in Schottwien war ursprünglich ein Gasthof (ab 1850), dessen Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Hier nächtigten einst berühmte Persönlichkeiten wie Maria Theresia, Papst Pius VI. und Napoleon Bonaparte. 1910 wurde der Betrieb eingestellt.

In Zusammenarbeit mit der Baudenkmalpflege Kartause Mauerbach, dem Bundesdenkmalamt und dem Erasmus+-Projekt Heritage Train II werden im Frühjahr 2026 alte Techniken zur Instandsetzung von Fassaden mit traditionellen Materialien und Methoden im Pilottraining „Hands On“ vermittelt. 

Diesmal stand das Sehenlernen im Mittelpunkt. Der Posthof in Schottwien wurde dabei zum offenen Lernraum – ein erster, grundlegender Schritt auf dem Weg zur praktischen Arbeit mit der historischen Bausubstanz.

 

Südbahnhotel am Semmering

In der Ausstellung TERRAIN VAGUE  im Waldhofsaal des Südbahnhotels Semmering der Initiative „D NA Semmering“ waren Bilder des Fotografen und Künstlers Jakob Lindner zu sehen. Er begleitet mit seiner Kamera den Umbau des Hotels Grand Semmering um die Spuren der Transformation des im Jahr 1907 errichteten Kurhauses festzuhalten. Nach Jahrzehnten des Leerstands soll dem einzigartigen Haus neues Leben eingehaucht werden. Die fotografischen Dokumente sind Teil der Initiative „Handwerk & Baukultur“

 

Sporthotel am Semmering – Abschlussveranstaltung

Ab 18 Uhr fand die Abschlussveranstaltung im Sporthotel am Semmering statt.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betonte in ihrer Rede die Wichtigkeit der Baukultur für den Semmering, „der aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden müsse“. Sie lobte Architektin Johanna Digruber für das Projekt Handwerk & Baukultur, mit dem „ein wichtiger Grundstein für diese Mammutaufgabe gelegt wurde, den Semmering zum Blühen zu bringen“.

Das Projekt Semmering 2030+ umfasst mehr als 80 Vorhaben, davon 28 Starterprojekte bis 2030.

 

Expert:innengespräch

Höhepunkt war das von Johanna Digruber moderierte Expert:innengespräch, das von Improvisationsschauspieler:innen der „Playbackerei“ begleitet und aufgelockert wurde.

Für Johanna Digruber tragen Architekturschaffende heute eine Verantwortung, die weit über die reine Gestaltung der gebauten Umwelt hinausgeht. „Baukultur“ stehe für einen ganzheitlichen Ansatz, der die Entwicklung ländlicher Regionen, die Nutzung wiederverwertbarer Ressourcen und Materialien, die Begrenzung des Bodenverbrauchs, die Schaffung von Lebensqualität, ökologischen Tourismus und klimaschonende Mobilitätskonzepte vereint.

  • Wolfgang Ruzicka, Bürgermeister von Schottwien:
    Er betonte die Wichtigkeit und das Potenzial von Lehren in Handwerksberufen. Ohne Handwerk könne die Revitalisierung der Grandhotels am Semmering nicht gelingen. Für die Jugend biete das Handwerk zukunftssichere Jobs, gute Verdienstmöglichkeiten, Erfüllung und Selbstständigkeit.
  • Edith Ottenbacher, Landesgeschäftsführerin des steirischen Volksbildungswerks:
    Das bereits 1956 gegründete Volksbildungswerk sei ein Vorbild für den Semmering. „Mit dem Lehrgang für Baukultur, Ortsbild und Raumplanung adressieren wir Menschen, die auf Gemeindeebene mit Bau- und Planungsprozessen befasst sind. Es geht nicht nur um rechtliche Rahmenbedingungen, sondern vor allem darum, Herausforderungen gemeinsam zu meistern und Netzwerke aufzubauen.“
  • Peter Ledolter, Restaurator:
    Er berichtete aus seiner Praxis und den Herausforderungen der Secco-Restaurierung historischer Gebäude. Darüber hinaus begleitet er Projekte an Schulen, die Kinder und Jugendliche an diese Themen heranführen und für handwerkliche Berufe begeistern.

 

Fördermaßnahme „LIP – Ländliche Innovationspartnerschaft“ 

Mit der bewilligten Fördermaßnahme „LIP – Ländliche Innovationspartnerschaft“ und dem 2023 gestarteten Pilotprojekt „Handwerk & Baukultur“ will die Initiative den „Strategieplan 2021–2025 für die Weltkulturerberegion Semmering“ verankerten Ziele weiter vorantreiben. Dazu gehören die Förderung neuer kreativer Arbeitsstätten und die Stärkung der Vermarktung regionaler Produkte, um einen nachhaltigen Strukturwandel einzuleiten. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Arbeitsplätze, Regionalität, Wertschöpfungsketten, Standortsicherung, Finanzen sowie die Vernetzung von Kultur, Identität und Handwerk.

 

↳ Download Programm

 

Weiterführende Links

↳ Steirisches Volksbildungswerk 

↳ Atelier Ledolter

Playbackerei

↳ D NA Semmering 

HARDDECOR ARCHITEKTUR 

Eindrücke von der Walz © Brigitte Groihofer
Pilotprojekt "Handwerk & Baukultur"
Verstehen, initiieren und umsetzen – das sind unsere Kernprinzipien für eine innovative Projektentwicklung. Wir sind Ihre Ansprechpartner:innen für innovative Ideen und Lösungen in Ihrer Gemeinde oder Region.
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